Freitag, 9. Juni 2017

Rezension: Einzig von Kathryn Evans übersetzt von Sabine Reinhardus


ISBN: 9783733502973
368 Seiten
12,99 EUR





Stell dir vor, es würden mehrere Kopien von dir existieren. Es würde ein 6 Jähriges Du geben, sowie ein 7, 8, 9 Jähriges. Und ihr müsstet alle in einem Haus leben, deine Kopien wären eingesperrt, nur du dürftest raus. Stell dir vor, dass dich deine Kopien dafür hassen würden. Dass dein 15 jähriges Du nicht möchte, dass du dich an deinen Freund heran machst - Stell dir einfach vor, du seist Teva Webb, 16 Jahre alt, und du hast dich selbst irgendwie nicht ganz beisammen. . . .



Die Story:

Teva Webb ist 16 Jahre alt, sie ist kein gewöhnlicher Teenager, denn jedes Mal an ihrem Geburtstag repliziert sie sich- oder sie streift wie eine Schlange ihre alte Haut ab. Zurück bleibt eine Kopie des vergangenen Jahres und sie selbst- mit abgeschwächten Erinnerungen- die Kopien altern nicht und bleiben so jung wie ihr Stadium. Um Teva zu schützen, darf nur die aktuellste Version hinaus in die Welt und die Schule besuchen, die anderen sind eingesperrt. Wenn das alles nicht schon kompliziert genug ist, so macht die 15jährige Teva der 16 jährigen Teva das Leben zur Hölle. Denn "Fünfzehn" hatte einen Freund- Ollie- in den sie total verknallt ist, 16 mag Ollie auch ganz gerne, aber das gönnt "Fünfzehn" ihr nicht. Für Teva steht es fest: das muss aufhören! Sie versucht eine Heilung zu finden von ihrem massiven Problem und somit auch die anderen Kopien zu befreien.


Charaktere:

Die charakterliche Beschreibung gestaltet sich bei diesem Buch zum ersten Mal recht schwierig, denn obwohl jede Kopie Teva ist, sind sie alle unterschiedlich. Das interessante dabei ist, dass einem vor Augen geführt wird, was für einen charakterlichen Entwicklungsprozess jeder Mensch durchmacht. Die sechszehnjährige Teva ist besonnener als der Rest. "Zwölf" und "Dreizehn" sind in ihrer Freundschaft aufgegangen und bilden ihren eigenen Mikrokosmos. "8" ist ziemlich taff und "15" ist frustriert und denkt nur an ihren Freund. Das sind alles Phasen, die jeder schon einmal selbst erlebt hat und dies noch mal in einem Haus zusammengefasst zu bekommen ist ein Aspekt des Buches, der mir äußerst gut gefallen hat. Teva ist mir sehr sympathisch, sie durchlebt einige Phasen in ihrer Ohnmacht gegenüber ihrer Lage, das kam für mich sehr authentisch herüber. Auch wenn ihre Gefühle, Meinungen und Gedanken relativ schnell umschlagen, so kann ich doch behaupten, dass das bei mir in der Pubertät auch so war. Also die vielen Facetten der Entwicklungen wurden sehr gut wiedergegeben.


Meinung:

Der Sprachstil ist flüssig und leicht zu lesen, also ideal auch für Jugendliche. Das Buch ist aus der Perspektive von der sechzehnjährigen Teva geschrieben ohne auktoriale Aspekte. Ich fand es etwas schwierig reinzukommen in das Buch. Es hatte, denke ich, mit meiner Erwartungshaltung zu tun. Bei dem Klappentext und Topic erwartet man einfach Science Fiction und Spannung von der Pieke auf. Leider war es mir jedoch am Anfang zu viel das Problematisieren der Beziehung zwischen Ollie und Teva Nummer 16 und Teva Nummer 15. Ich habe mir im ersten Drittel des Buches immer wieder die Frage gestellt: Liebelein, du hast das Problem, dass du dich replizierst und nach einem Jahr dann anscheinend für immer eingesperrt wirst- warum machst du denn nichts aus der Zeit, die du noch hast? Und ärger dich nicht herum mit Ollie und Teva Nummer 15. . . .! Im Endeffekt behaupte ich, zu verstehen, dass der Liebeskrach zwischen den dreien eine wichtige Facette war, um Tevas Situation auch eine persönliche und emotionale Note zu geben, was insgesamt auch gut gelungen ist, doch etwas mehr Action hätte ich mir am Anfang schon gewünscht. Spannend und interessant wurde es dann aber für mich, als Teva angefangen hat, Nachforschungen anzustellen, und ihre eigene Realität und ihr Leben hinterfragt hat. Genau das war es, was ich bei diesem Titel haben wollte: Theorien und Thesen, die einem zum Schaudern bringen. Und gegen Ende noch etwas Action.


Fazit:

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, wurden meine Erwartungen erfüllt. Hinter diesem einmaligen und spannendem Thema, sind sehr schöne Entwicklungsprozesse und charakterliche Zeichnungen beschrieben. Ein anfänglich eher dezenter, jedoch gegen Ende vehementer Spannungsaufbau haben das Buch in den letzten zwei Dritteln zum Pageturner gemacht.


Von mir gibt es daher 4 Monsterpunkte und ich bedanke mich herzlich beim Fischerverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!






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